Schaufensterreihe IGPP-Archiv # Nr. 11
Autorin: Frauke Schmitz

Bei Ehepaaren, bei denen ein Partner prominent ist, verhält es sich meistens so, dass der Mann bekannt ist, während seine Frau kaum wahrgenommen wird, zumal Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In diesem Fall ist es genau umgekehrt: Die weitaus bekanntere Person ist die Zoologin und Okkultismus-Forscherin Fanny Hoppe-Moser (1872-1953), während man über ihren Ehemann, den Musiker und Komponisten Jaroslav Hoppe (1878-1926, heute kaum noch etwas weiß. Jaroslav (auch Jaroslaw) Hoppe wurde am 6. Juli 1878 in Kremsier (tschechisch: Kroměříž, Ostmähren) geboren; gestorben ist er dort am 11. Februar 1926. Er hatte drei Brüder: Vladimir, Otakar und aus der ersten Ehe des Vaters den Halbbruder Viktor Hoppe. Der Vater, Dr. Bedrich Hoppe, war ein bekannter Brünner Advokat und Politiker, die Mutter Olga (geb. Kozánek) war ausgebildete Sängerin.

Nach dem Abitur in Kremsier ging Hoppe 1899 nach München, um am Zoologischen Institut zu studieren; dort lernte er und Fanny Moser sich kennen. Hoppe entschied sich aber bald für die Musik und studierte Literaturwissenschaft als Hauptfach mit Nebenfach Musik und promovierte 1902 in Prag über Percy Bysshe Shelly (1792-1822), seinen Lieblingsdichter. Im Oktober 1903 heirateten Jaroslav Hoppe und Fanny in Fannys Heimat am Zürichersee und zogen dann nach Berlin. Dort studierte Jaroslav Hoppe am Stern’schen Konservatorium Theorie, Komposition, Klavier und Oboe. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts komponiert er vor allem Lieder auf Gedichte von Shelley, Thomas Moore, Hermann Hesse und anderen mit Klavierbegleitung, aber auch einige Instrumentalwerke. In der Presse wurden Ausführungen seiner Werke sehr wohlwollend aufgenommen.



Über den Verbleib seiner Kompositionen wissen wir aktuell nur, dass Fanny Hoppe-Moser diese nach dem Tod ihres Ehemannes an den tschechischen Musikprofessor Ota Fric (1901-1988 mit der Bitte geschickt hat, sie zu sichten und dann alles Material an Hoppes Familie zu senden.

Win innig die Beziehung zwischen Jaroslav und Fanny war, belegt unter anderem ein Tagebucheintrag von Fanny Hoppe-Moser aus dem Jahr 1914. Sie berichtet darin von ihrer Rückkehr von einem Forschungsaufenthalt in Neapel: „Mittwoch 20. [Mai 1914] Nachmittag 4 Uhr Abfahrt nach Berlin über Stuttgart. Ankunft um 9 Uhr früh. Jara [Jaroslav] am Bahnhof – 10 Uhr Daheim, wo Alle von Blumen – und Jara neue Lieder hat, die er mir gleich spiel. Das war ein schöner Schluss – und Anfang „. „1915 wurde eine neurologische Krankheit bei Jaroslav Hoppe diagnostiziert. Auch wegen des raschen Fortschreitens der Krankheit musste das Ehepaar wenige Jahre später die Wohnung in Berlin aufgeben und nach Kremsier ziehen, wo Hoppes Onkel Emil Kozánek ihnen eine Wohnung in seinem Haus angeboten hatte. Dort pflegte Fanny Hoppe-Moser ihren Ehemann aufopferungsvoll bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1926 – den er wohl bereits in gesunden Tagen lange vorhergeahnt hatte. In ihrem zweibändigen Werk „Okkultismus – Täuschungen und Tatsachen“ (1935) beschreibt Fanny Hoppe-Moser, ohne seinen Namen zu nennen, solche Erfahrungen von „Prophetie“ (Präkognition): „Ich selbst habe dieses zeitige Vorahnen eines frühen Todes: , vor 50 Jahren‘ [d.h. vor dem 50. Lebensjahr] schmerzlich miterlebt, als alles dagegensprach. Nach 14 Jahren, im Alter von 47½, erfüllte sich diese, mit dem Ton innerster Überzeugung damals öfter wiederholte Voraussage“.
Im IGPP ausgestellte Objekte:
Jaroslav Hoppe als junger Mann undatiert (um 1900), Atelier Wüst (Olmütz)
Archiv des IGPP, 10/3_Fotosammlung
Jaroslav Hoppe im Alter von 3 Jahren 1881, Atelier Rafael (Brünn)
Archiv des IGPP, 10/3 Fotosammlung
Jaroslav Hoppe mit Fanny Hoppe-Moser und (vermutlich) der Pianistin Noemi Jirečková (1874-1963) 1916, Atelier Wolf (Neustrelitz)
Archiv des IGPP, 10/3_Fotosammlung
Programmheft: Pfannschmidt’scher Chor, Garnisonskirche Berlin, 20.11.1912 Aufgeführt wurde neben Kompositionen von Brucker und Mozart ein „Kyrie“ von Hoppe
Archiv des IGPP, 10/3_J. Hoppe als Komponist
Programmheft: Liederabend von Prof. Johannes Messchart, Sing-Akademie Berlin, 15.03.1916 Aufgeführt wurden neben Liedern von Grieg, Schumann und Schubert (drei ursprünglich geplant waren fünf) Lieder von Hoppe
Archiv des IGPP, 10/3_Korrespondenz mit J. Messchaert
Schreiben von Fanny Hoppe-Moser an Ota Fric, 3.12.1940 Nur fragmentarisch und als Kopie vorhanden. Der Brief enthält eine Aufstellung der Kompositionen von Hoppe sowie eine Darstellung seines Lebenslaufs
Archiv des IGPP, 10/3_Korrespondenz mit O. Fric
Nachweis der im Text verwendeten Objekte mit Ihrer Archivsignatur:
Quelle: IGPP-Archiv_Schaufenster_Der Mann an ihrer Seite
Literatur:
Ina Schmied-Knittel: „Ich habe das Vernünftige immer gehasst“. Fanny Moser (1872–1953) – Porträt einer Grenzwissenschaftlerin, in: Dies. (Hg.): Science und Séance: Die Biologin und Parapsychologin Fanny Moser (1872–1953), Baden-Baden (Ergon) 2023, 15-71.
